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Criminale 2011

Criminale 2011

Im Rahmen der Criminale 2011 prallten unter der sengenden Sonne des Südens (oder Nordwestens, aber hey, wir sind unter Dichtern!) die geballte Erfahrung aus (gefühlten) 197 Niederlagen und das göttliche Sendungsbewusstsein auf einander, mit einem rundum bemerkenswerten Resultat.
Zum zweiten Mal innerhalb eines (in Worten: eines) Jahres durften die glorreichen Helden des tiefen Geläufs (wo kam eigentlich bei dem Wetter das ganze Wasser auf dem Platz her?) an einem Sieg schnuppern.
Leider blieb es bei der Geruchsprobe.

Menschen, Krimiautoren, Sensationen

Dazu kam, dass es wieder einmal am Spielgerät an sich mangelte und es erst 5 Minuten vor dem (durch den nicht vorhandenen Schiedsrichter nicht erfolgten) Anpfiff gelang, auf unbekannten Wegen eine Sammlung Bälle zu organisieren, die den Namen verdienten. Warm machen war also nicht mehr, was vielleicht nicht verkehrt war, denn der einzige Criminale-Kicker, der so verrückt gewesen war, ein paar Leibesübungen vor Anpfiff zu absolvieren, sorgte bereits vor Spielbeginn für den Einsatz der Krankenschwester: Muskelfaserriss! Wir wünschen gute Besserung.
Unter diesen Umständen und in Anbetracht der Tatsache, dass nicht nur der Capitano „El Nino“ am selben Tag gegen 5 Uhr morgens aus der Bar gerollt war, befürchteten die zahlreich erschienenen Zuschauer und die unermüdlichen und phantasievollen Syndicats das Schlimmste.
Doch das trat erst einmal nicht ein.
Der glorreiche FC Criminale beschränkte sich taktisch geschickt auf ein dichtes Abwehrnetz, indem auch die kurzerhand zwangsverpflichteten Träger glatter Turnschuhe ihren Platz fanden und durch ihre unorthodoxe Spielweise immer wieder einen Zeh in die gegnerischen Angriffsbemühungen steckten.
Nach vorne hingegen lief nicht so wahnsinnig viel und der einsame Stürmer „Bomber“ Horst begann schon, sich nach einem Bratwurststand umzusehen, weil er zu verhungern drohte.
Die Künste der Himmelsstürmer wuchsen überraschenderweise nicht in denselben, so dass sich ein zwar munteres und laufintensives („Scheiße, schon wieder zu spät...“) Spiel entspann, das aber ohne große Torchancen blieb.
Dann fiel aus heiterem Himmel (zweimal hinter einander ist ein Fehler, dreimal Himmel ist Stil) die genau so überraschende wie unverdiente Führung. Nach einer Kerze im Fünfer betrieb „Kralle“ Monika aktiv Rentnerschutz („du hast schonmal einen Zahn verloren“) und bekam deshalb den Ball nicht richtig zu fassen, den dann ein Spielverderber von der Strafraumgrenze aus in die Maschen schob. Dem Jubel der Himmels(schon wieder...)stürmer nach war das ein Ereignis, das sie nicht allzu oft feiern dürfen.
Doch die Helden der untersten Klassen ließen sich nicht entmutigen. Auf einmal realisierte man, dass auch auf der anderen Seite ein Tor stand, das von einem Mann gehütet wurde, dem das Talent nicht in die Wiege gelegt worden war. Der Keeper der Himmelsstürmer blieb nämlich bei jeder Gelegenheit konsequent auf der Linie und bei rechtzeitigem Nachsetzen hätte Norbert „Bomber“ Horst zweimal die freie Auswahl gehabt.
Kurz darauf stolperte „The Wall“ Herbert an einem eigentlich gut getimten Querpass vorbei, der ihn alleine vor der Hütte gesehen hätte, und versemmelte so die Überzahl-Situation. Es blieb Stickino vorbehalten, nach einem starken Solo mit einem wunderbaren Schlenzer den Ausgleich zu erzielen.
Fast.
Doch es sollte nicht sein und so kam das alte Fußballklischee mal wieder zum Tragen. Machst Du die Dinger vorne nicht, kannst du sie dir auch gleich hinten selbst reintreten. Etwas Ähnliches passierte dann auch fünf Minuten vor der Pause. Das Mittelfeld war kurz unsortiert und einer der aufgerückten Kampfgiraffen der Theologen fiel die Kugel genau auf den Fuß. Der Mondball senkte sich genau unter die Latte und die blau Gekleideten gebärdeten sich, als hätten sie gerade am letzten Spieltag den Abstieg aus der Bundesliga verhindert.
Kurz darauf einigte man sich auf eine Unterbrechung des wilden Treibens, um die Flüssigkeitsvorräte zu ergänzen.
Offensiver wollte der FC Criminale die zweite Hälfte angehen, doch die Initiative lag zunächst einmal bei den Syndicats, die den Gegner nachdrücklich dadurch verwirrten, dass sie ein weiteres Tor aufstellten und das andere mit rotem Flatterband zu banden.
Auch die eindeutigen Angebote („Sex, Sex, Sex...“) trugen nicht zur Orientierung der Himmelsdiener bei, hätte aber bei einem vereinbarungsgemäß zölibatärerem Aufgebot derselben sicher noch mehr Wirkung erzielt.
Leider nützte das nicht viel, denn kurz nach dem Wiederbeginn fiel das 3:0, das, sagen wir es einmal so, nicht völlig unumstritten war. Während man noch darüber diskutierte, ob es nicht eigentlich Abstoß war, führten die Himmelblauen den Eckball schnell aus und „Kralle“ Special Friend Ali, der natürlich völlig frei stand, schubste das Rund mit dem Kopf über die Linie. Auch wenn das mit Fairplay nun mal überhaupt nichts zu tun hatte, verzichteten die Mörder in einem Akt christlicher Nächstenliebe darauf, diese Aktion zu debattieren oder die Ecke wiederholen zu lassen.
Doch so einfach wollte sich der FC Criminale dann doch nicht geschlagen geben. Leihkicker Andreas II erhielt kurz darauf den Ball im Mittelfeld, seine Mitspieler rannten um ihr Leben und versteckten sich hinter den Gegnern, so dass sie bloß nicht anspielbar waren, verwirrten die Himmelsstürmer durch diese unorthodoxe Taktik aber so nachhaltig, dass sie dem Ballführenden eine autobahnbreite Gasse öffneten, durch die er auf das Tor zu marschierte und eiskalt vollstreckte.
Es stand zum grenzenlosen Jubel der vielköpfigen Anhängerschar nur noch 1:3 und voller Hoffnung und Tatendrang warfen die unermüdlichen Helden alles nach vorne. Wieder war es ein Steilangriff, diesmal über Links, doch trotz hemmungslosen Flugkopfballs kam „The Wall“ nicht ganz hinter den Ball. Sein anschließender Kullerball-Nachschuss mit Links zwang den Himmerlshüter zu dreimaligem Nachfassen. Leider schaffte er es dabei nicht, sich das Ding über die Linie zu hauen.
Die Criminalen bekamen nun die dritte und vierte Luft, während die Himmlischen deutlich nachließen. Ein Angriff nach dem anderen rollte... nun ja, also, die Kicker überschritten immer wieder die Mittellinie, aber irgendwie wollten so die letzten Pässe nicht gelingen und auch die angesichts der Qualität des gegnerischen Torwarts eigentlich dringend gebotenen Weitschüsse blieben aus.
Dann schlugen Fairness und Nächstenliebe wieder zu. Trotz mehr als deutlicher Abseitsposition kickten die Segnenden weiter und der abschließende, eigentlich völlig missratene Verzweiflungsschuss senkte sich ins lange Eck. „Kralle“, die wie alle Abwehrspieler schon abgeschaltet hatte, hatte keine Chance.
Diese Schmach wollten die glorreichen Kicker des FCC nicht auf sich sitzen lassen und was folgte, wird jedem der begeisterten Zuschauer wohl bis ans Ende seiner Tage im Gedächtnis bleiben. Ausnahmsweise liefen nicht die Spieler sondern der Ball und zwar durch die eigenen Reihen, der Gegner stolperte hinterher, ein Steilpass auf rechts fand „Stickino“ und dessen Manni-Kalz-Gedächtnis-Bananenflanke wuchtete „Bomber“ Horst 1,5 Meter über dem Boden in der Luft stehend in Horst-Hrubesch-Gedächtnis-Manier die Maschen.
Mit dem wohl schönsten Tor der Geschichte der Ruhm(und Rum)reichen war der Anschluss wieder hergestellt.
Direkt nach Wiederbeginn drängte und stürmte alles und hinten war, nein, nicht Polen, aber Austria offen. Doch es kam die ganz, ganz, ganz große Zeit von Monika „Kralle“ Lechner. Hemmungslos und unerschrocken warf sie sich dazwischen, wann immer ein Blauer frei vor ihr auftauchte und brachte die Gegner zur Verzweiflung. Hätte Franz Beckenbauer an diesem Tag zugeschaut, er hätte sicher gesagt, „Jo, sicher. Mir müssen dös Mädel hoaben. Da kann´s auch 50 Millionen kosten.“
Obwohl gegen die immer schlapperen Himmelsboten der FC Criminale die zweite (oder mancher endlich die erste) Luft bekam, gelang auf der anderen Seite leider kein Treffer mehr.
Nach einem abwechslungsreichen, bewegten und bewegenden Spiel stand die knappeste Niederlage aller Criminale-Zeiten zu Buche, die allgemein wohlwollend zur Kenntnis genommen und gewürdigt wurde.
Zieht man die beiden irregulären Tore ab, war es eigentlich sogar ein Unentschieden, das sich wie ein Sieg anfühlt.
Nun gilt es, die Wunden zu lecken und zu regenerieren. Denn bereits im kommenden Monat soll ein Einlagespiel bei einem großen Unicef-Mädchenturnier anstehen, zu dem man die Glorreichen unerklärlicherweise als abschreckendes Beispiel eingeladen hat.
Vielleicht gibt es in Düsseldorf dann ja auch Bälle und einen Schiedsrichter...

Text: Matthias Herbert

FC Criminale - FC Himmelsstürmer 2:4 (0:2)

Nach den teils deprimierenden Erfahrungen der vergangenen Dekade und der erfolgreich verlaufenen Abwehr des perversen Ansinnens, den FC Criminale gegen die Traditionself von Borussia Mönchengladbach zur Schlachtbank zu führen, hatte sich eine Auswahl aus Pfarrern und Pastoren bereit gefunden, sich auf Augenhöhe („unser Altersschnitt liegt über 40...“) mit den angereisten Balltrittwilligen unter den Einzel- und Serienmördern zu messen.
Eingefunden hatte sich am Samstag hingegen ein etwas anderes Team, wodurch das Spiel für alle Beteiligte sehr lehrreich wurde. Man lernte zum Beispiel, dass der gemeine Priester mindestens 1,85 m misst, einen triathlongefährdend durchtrainierten Körper hat, Mitte zwanzig ist und wenigstens Bezirksklasse spielt. Wenn er nicht als Novize unter 18 ist und offenbar wöchentlich ein DFB Stützpunkttraining besucht.
Nach eingehenden Verhören unter Anwendung des dritten Grades erfuhren die erfahrenen Kriminalisten, vor denen man auf Dauer nichts verbergen kann, dass ihnen exakt 2 (zwei) Pfarrer gegenüber standen und sich der Rest der Mannschaft aus Verwaltung, Religionslehrern und zufällig vorbei gekommenen Leuten mit Fußballschuhen zusammen setzte.
Aha.